Apr 172014
 

 

Dieser Artikel ist auch auf www.freeyourgender.de erschienen.

Liebe Lotty,

ich nehme Deine Antwort auf meinen Artikel „die unsichtbare Frau“, als Leitlinie,

einen klassischen Denkfehler zu beleuchten, meine Antwort sehe ich für mich als allgemeingültig an, sie könnte also auch für sich stehen,
ohne Deine Reflektion auf meinen Artikel.

Mein Artikel „die unsichtbare Frau“ hatte zum Inhalt, dass es für falsch zugewiesene Menschen, die in Harmonie mit ihrem Körper sind,
keine eigene Begrifflichkeit gibt.

Wichtig ist aber zu verstehen, dass sie eine abweichende Geschlechtsidentität haben, genau wie diejenigen,
die ihren Körper einer Veränderung unterziehen möchten oder unbewusst unterziehen.

Sobald wir eine abweichende Geschlechtsidentität haben, haben wir es mit einem Geschlecht zu tun.

Im Falle einer falsch zugewiesenen Frau oder Mann, die keine Angleichung für sich benötigt, und sich mental harmonisiert,
bleibt dieses Geschlecht für den Betrachter äußerlich unsichtbar.

Dieses Geschlecht, dass unsichtbar ist, aber sich gleichzeitigin Harmonie befindet, findet bisher keine Berücksichtigung in der Sprache.

Ich habe dieses Geschlecht in meinem Artikel „harmonische Identitätsfrauen, bzw. Identitätsmänner genannt“,
und diesen Begriff auch definiert.

Falsch zugewiesene Frauen und Männer, die eine Veränderung ihres Körpers für sich benötigen,
habe ich „disharmonische Identittätsfrauen bzw. Identitätsmänner genannt“, die Definition ist auch dem Artikel zu entnehmen.

Den Begriff „Transsexuell“(SIC!) verwende ich nicht, da er die Geschlechtsidentität nicht berücksichtigt,
dies habe ich in dem Artikel auch erklärt.

Wir haben nun also 2 Begriffe geschaffen, die die beiden Fälle per Definition unterscheiden,
die zum einen den bisher unberücksichtigen Fall benennen und auch in einem Namen berücksichtigen,
auch wird in beiden Definitionen die Geschlechtsidentität als erstes Kriterium herausgestelllt,
und zum anderen wird der Begriff Transsexuell(SIC!), der diese (die Geschlechtsidentität) nicht berücksichtigt, ersetzt.

Ich leite nun von meiner kurzen Wiederholung des Wesentlichen auf Deine Antwort über:

Du beginnst sinngemäß mit 2 Absätzen. 2 Absätze, die die Begriffe Transgender und Transsexuelle(SIC!) gegenüberstellen.
Diesen beiden Begriffen ordnest Du meine Definitionen jeweils zu,
wobei Du für Transgender meine Defintion “harmonische Identitätsfrau” zuordnest und für Transsexuelle(SIC!) “disharmonische Identitätsfrau”.

Dieser Ansatz Deiner Antwort ist gleichzeitig die Ursache, warum es eine Definition nach meiner Überlegung geben muss.

Der Begriff Transgender beschreibt kein Geschlecht oder eine Geschlechtsidentität.

Er zeigt das soziale Geschlecht, was dem Betrachter offenkundig durch das Äußere, die Äußere Erscheinung vor Augen geführt wird,
was er durch das Äußere “was er sieht”, assoziiert.

Dieses Äußere kann auch Verhalten sein. Trangender ist ein Sammelbegriff, der alles enthalten kann, was es an Begriffen im Moment gibt:
Es könnte sich um eine TS(SIC!) handeln, genau wie es sich auch um eine TV handeln kann.

Welches (Identitäts-)Geschlecht hier mit Trangender gemeint ist, lässt sich vom Begriff Transgender daher nicht ableiten.

Der Begriff stellt nur auf die äußere Erscheinung und soziale Rolle ab. Der Begriff macht keine Aussage über das (Identitäts-)Geschlecht.

Der Begriff „harmonische Identitätsfrau“ macht mehrere Aussagen:
Er beschreibt ein weibliches Geschlecht (Frau), und einen Menschen mit einer weiblichen Identität, wichtig ist hier die Identität,
die immer das Geschlecht primär beschreibt, (nicht das Genital) wenn es um Geschlechtsidentitäten geht,
es geht nicht um den genitalen Gesichtspunkt.

Dann folgt die ergänzende Information über „harmonische“, dass diese Menschen keine Veränderung ihres Körpers unbedingt benötigen,
sondern diese nur als Ergänzung sehen.
Deshalb wird oft nur eine Hormonsubstitution für eine Busenbildung angestrebt, genitale Operationen werden oft nicht benötigt,
oft wird nicht einmal eine HRT benötigt für die Harmonisierung mit dem Körper.
Viele falsch zugewiesenen Frauen, die sich heute noch zu TV zählen, weil sie meinen, dass sie keine TS(SIC!) wären,
würden aber bei genauerer Betrachtung eine weibliche Identität für sich erklären, wenn es dafür eine Begrifflichkeit gäbe.

Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der TV zu den harmonischen Identiätsfrauen gehört.
Mit dem Begriff Transgender kommen wir also in keinster Weise irgendwie weiter, der Begriff lässt sich nicht heranführen,
wenn es um einen Vergleich bzw. Gegenüberstellung zum (zu vermeidenden Begriff) „Transsexuelle“ geht.

In Deinem 1. Absatz, wo Du Transgender mit „harmonische Identitätsfrau” vergleichst, ist auch gut zu erkennen,
dass Du hier keine Geschlechtsidentität berücksichtigst, sondern nur die soziale Komponente,
die sich aber für eine harmonische Identitätsfrau automatisch ergibt, nicht aber ihre Definition per se ist.

Die soziale Komponente erwächst aus ihrer Identität, ist eine Folge davon. Der Begriff Transgender enthält keine Komponente Identität,
sondern beschreibt nur das was zu sehen ist, das Äu?ere, das Ergebnis der Identität, wie der Mensch in der Gesellschaft erscheint.
Es könnte sich auch um einen TV ohne abweichende Identität handeln, also um einen richtig zugewiesenen Menschen,
der nur die soziale Rolle wechselt, ohne abweichende Identität für sich damit erklären zu wollen.

Du bringst in diesem Absatz über Transgender noch einen Punkt mit rein, der zur Verwirrung beiträgt:
Der Begriff „harmonische Identitätsfrau“ beleuchtet mit dem Begriff harmonisch nur den Bezug des Menschen zu seinem Körper selbst,
die Gesellschaft darfst Du bei dieser Betrachtung nicht mit reinnehmen.
Du führst an, dass eine harmonische Identitätsfrau, die Du ja mit Transgender gleichsetzt, mit sich nicht im Einklang wäre,
bis sie sich in die Gesellschaft integriert hat.
Dieser Betrachtungspunkt wird für meine Definition nicht berücksichtigt, die Gesellschaft ist hier nicht mit in meiner Definition enthalten.
Dein Vergleich mit Transgendern, die sich in Disharmonie befinden, weil sie sich evt. nicht in ihrem Identitätsgeschlecht assoziiert sehen von Betrachtern,
geht also in eine völlig andere Ebene und trifft zum einen nicht die Identität selbst, sondern die Fremdbestimmungsaspekte,
es wird die Reaktion mit der Gesellschaft beleuchtet (>Du schreibst Disharmonie).

Ich hoffe Du verstehst meine Denkweise und warum Du meine Definition „harmonische Identitätsfrau“ nicht mit dem Container-Begriff „Transgender“ gleichsetzen darfst.

Nun folgt Deine Überleitung auf den Vergleich mit dem Begriff„transsexuelle(SIC!) Menschen“,
den Du mit meiner Definition „disharmonische Identitätsfrauen“ gleichzusetzen versuchst.

Das erste Problem zeigt sich in dem Begriff „Transsexuelle“(SIC!) selbst, der keine Geschlechtsidentität berücksichtigt.
Der Begriff suggeriert, dass man das Geschlecht wechseln könnte.
Von A nach B.
Diese Betrachtung ist falsch. B ist bereits vor jeder Veränderung des Körpers vorhanden, die Identität.
Diese gilt es bereits vor jeder Veränderung zu respektieren und zu berücksichtigen.
Diese Berücksichtigung findet bis heute aber nicht statt, wenn diese stattfinden würde, gäbe es keine Probleme,
eine falsch zugewiesene Frau ohne körperliche Veränderung als (Identitäts-)Geschlecht Frau anzusehen.

Diese “Wechsel-Philosophie” unterstreichst Du in der Beschreibung eines Wechsels, den Du Transition nennst, und der in die Harmonie führen soll.
Du schließt sogar in Deiner Formulierung aus, dass diese Harmonie nach der Transition nicht eintreten könnte,
in dem Du schreibst: „nach der Transition ist diese mit sich im Einklang.“
Ein Einklang ist aber auch bereits ohne äußerliche Transition möglich. Diese Möglichkeit muß benannt werden und auch berücksichtigt werden.

Wichtig ist hier als Erstes zu sehen, dass die körperliche Veränderung nichts mit der Identität in der Form zu tun hat,
als dass sie sich durch die Veränderung ändern würde, was viele Diskussionen, Penis=Mann, Vagina=Frau, unterstreichen.

Die Veränderung des Körpers ist kein Wechsel in Bezug auf ein (Identitäts-)Geschlecht.
Der Begriff „Transsexuelle“(SIC!) hält auch in der medizinischen Definition weder einen Geschlechtswechsel in herrkömmlicher Sicht,
noch einen Wechsel in der Sicht einer Geschlechtsidentität als Erklärung bereit.

Und da sich keine Geschlechtsidentität „wechselt“ in der medizinischen Definition, kann eine Neovagina keine Frau ergeben lt. dieser Definition,
da biologisch sich ja nicht das Geschlecht Frau ergeben kann.

Deshalb ergeben sich Hilfsbegriffe wie „Frau mit transsexueller Vergangenheit“, die weder auf eine Geschlechtsidentität hinweisen,
noch auf eine (biologische) Frau, sondern kein Geschlecht darstellen, sondern eine Umschreibung, die herausstreicht,
dass dieser Mensch zum einen ein Mann gewesen sein soll, und jetzt zur Frau geworden wäre.

Was sollte diesen Wechsel erzeugt haben, das Skalpell kann es nicht gewesen sein, oder doch ?
Wenn ja, sehen wir hier überdeutlich, dass die Geschlechtsidentität keine Berücksichtigung findet.
Der Begriff im Ergebnis weiterhin kein eigenes Geschlecht abliefert, sondern eine Konstruktion, die aussagt,
dass hier eine Veränderung vorgenommen worden ist, und etwas erzeugt worden wäre.

Die Geschlechtsidentität war aber von anbeginn an da – sie wurde nicht verändert, die Veränderung ist nicht wichtig,
um den Menschen als Identitätsfrau verstehen und anerkennen zu können.
Als disharmonische Identitätsfrau in diesem Fall.
Der Zeitpunkt, wann ich diesen Menschen für mich einschätze und bewerte spielt ebenfalls keine Rolle.
Passing und Grad der Angleichung sind völlig belanglos. Dieser Mensch ist ab dem Zeitpunkt, ab dem Sie sich mir erklärt für mich eine Identitätsfrau,
eine harmonische oder disharmonische, je nachdem.

Der Begriff Transsexuell(SIC!) beschreibt fälschlicherweise, dass ein Mensch sich in seinem geborenen Geschlecht nicht wohl fühlt,
und seinen Körper seinem gefühlten Geschlecht angleichen möchte.
Das gefühlte Geschlecht ist aber eine andere Begrifflichkeit wie eine Geschlechtsidentität.

Ein gefühltes Geschlecht behält immer das geborene Geschlecht als übergeordnetes Geschlecht bei,
der Ausdruck „gefühltes“ Geschlecht suggeriert eher „Einbildung“ und daraus ergibt sich dann automatisch die gebräuchliche Sichtweise,
die in vielen Gutachten dann auch verbal zum Ausdruck kommt: „fühlt sich dem Zwang ausgesetzt, im anderen Geschlecht zu leben“.

Dies ist keine Gesdchlechtsidentitätsdefinition für ein eigenes, unabhängiges souveränes (Identitäts-)Geschlecht.
Wenn wir also anfangen wollen, Geschlechtsidentitäten zu berücksichtigen, müssen wir uns von dem Begriff „Transsexuelle“(SIC!) trennen,
bzw. von der Darstellung desselben, die von der genitalen Verständniswelt für diesen Begriff skizziert wird.

Du schreibst weiterhin, dass nach einem Wechsel, die Du Transition nennst, der Mensch mit sich im Einklang wäre,
damit unterstellst Du einen Absolutpunkt, ein Ziel, dass erreicht worden wäre, zum Zeitpunkt x.
Die Transition, die Du hier erwähnst, ist aber dagegen ein immer fortwährendes Ziel, die Transition ist niemals abgeschlossen,
sondern eine tägliche Aufgabe bis zum Lebensende.
Die HRT ist ständig präsent, der Körper muss ständig überwacht werden, die Hormonsubsitution erfordert genaueste Kontrolle durch Endokrinolog_innen,
sodaß keine inneren Organe durch eine falsche Dosierung geschädigt werden und gefährliche Nebenwirkungen minimiert werden.
Auch ist die Harmonie, die nach einer Transition für Dich feststeht alleine durch die Unterschiede, die nie vollständig beseitigt werden können,
in den seltensten Fällen erreichbar. In leider nur sehr wenigen Fällen.
Die Chancen sind höher wenn eine äußerliche Transition vor der Pubertät eingeleitet wird.
(>innere Transition ist das Aufgeben des Verdrängens für sich selbst, sowie das Verstehen des Betrachters unabhängig von Passing)

Die Aufgabenstellung für eine disharmonische Identitätsfrau äußerlich ihrem Ideal – einer geborenen Frau – zu entsprechen,
ist fast nicht lösbar und daher eine immerwährende Herausforderung in ihrem Alltag.

Sei es, dass sie ihren Kehlkopf durch ein Halstuch abdeckt oder dass sie bei einer Einladung vor Menschen, die sie nicht kennen,
wenig spricht, um mit ihrer tiefen Stimme nicht aufzufallen. Um nur zwei eher trivial wirkende Beispiele herauszugreifen.
Ich muss an dieser Stelle sicher nicht weiter in die Tiefe gehen.
Die Probleme sind bekannt.

Der Zusatz „disharmonische“ beschreibt den immerwährenden Kampf, die Annäherung an ihr äußeres Idealbild: “Frau”.

Hier davon ausgehen zu wollen, dass eine Transition in Harmonie führen muß, ist eine gefährliche Illusion,
und bietet keinerlei Lösungsansätze für falsch zugewiesene Frauen, die schon allein mit ihrer seitens Geburt mitgegebenen Konstitution,
mit ihrem Aussehen keine Chance haben, als Frau assoziiert zu werden, und ein dementsprechendes Passing nie erreichen können.

Hier muss eine Defintion „disharmonische Identitätsfrau“ Klarheit für den Betrachter schaffen, dass er es hier mit einem Menschen zu tun hat,
dessen Identität zu respektieren ist – und nicht das Ergebnis einer Transition, bzw. seine Akzeptanz ihrer Identität von Äußerem abhängig macht.
Einer Transition, die mehr oder weniger erfolgreich sein kann oder auch nicht.
Eine Identitätsfrau ist man nicht erst aufgrund eines Passings, dass eine Assoziation für bestimmte Betrachter als Frau ermöglicht.

 

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